ANDACHT

 

Liebe Gemeinde!

Das „kleinste“ Geschenk
 

Da liegen Geschenke über Geschenke auf dem Gabentisch. Alles türmt und stapelt sich. Manche Kinder werden regelrecht hektisch und reißen schnell und mit viel Kraft die ganze Verpackung herunter. Ob und wie es eingepackt ist, wird gar nicht zur Kenntnis genommen. Hauptsache groß! Erwachsene sind da schon anders. Vielleicht machen sie sich nicht mehr die Mühe des Einpackens, viele Dinge sind ja heutzutage gleich verpackt. Vielleicht vergeben sie sich damit etwas von der Liebe einer persönlichen Verpackung. Aber eins wissen sie genau: Nicht unbedingt die großen Geschenke sind die Schönsten. Ganz im Gegenteil. Wer schon alles hat, fürchtet mitunter sogar die großen Geschenke. Anziehend sind
eher die Kleinen: Ein schönes Buch, eine gute Musik, ein bezaubernder Duft, ein kleiner, selbst gebastelter Engel oder eine hübsche Bienenwachskerze.
Wenn wir jemanden beschenken, hoffen wir, dass es dem anderen gefällt. Wir drücken damit aus: Du, ich mag Dich! Du bist mir wichtig! Ich freue mich, wenn Du Dich freust! Beschenkt zu werden scheint dagegen manchmal eher eine komplizierte Angelegenheit. Die Frau mag kein Küchengerät, da fühlt sie sich nicht als Frau gewürdigt. Der Mann mag keine Socken oder Krawatten, die sind ihm nicht persönlich genug. Mancher sagt beschämt: „Das ist zuviel“ und rechnet im Inneren schon den Gegenwert seines Geschenkes an das Gegenüber aus. Martin Luther sagte einmal: „Die ganze Welt ist toll und töricht. Sie ertragen es nicht, dass sie die Nehmenden sind. Sie wollen nichts umsonst haben.“ Ein Nehmender zu sein ist offenbar schwieriger, als zu geben. Nehmen hat etwas mit der Bereitschaft für ein gewisses Maß an Passivität zu tun. Genau hier aber offenbart sich die Besonderheit von Weihnachten. Wir werden von Gott beschenkt! Mit seinem Liebsten, mit seinem Sohn, mit einem Stück von sich selbst. Diesen Jesus dürfen wir empfangen. Zunächst ist er ganz unscheinbar, klein und hilfsbedürftig. Im Stall von Bethlehem, in aller Armut, könnte man ihn übersehen. Aber dieses kleine Geschenk ist das Größte, was Gott uns geben konnte. Unendlich wertvoll!

Ihre Pfarrerin K. Wunderwald