AKTUELL

Politisches Nachtgebet

22.07.2021

„Das ging unter die Haut“

Joachim Krause im „Politischen Nachtgebet“: Die Kirche und der Nationalsozialismus - was geht uns das heute noch an?

Wie mag das sein, wenn man auf dem Dachboden an die 2000 Briefe und Tagebücher der Eltern und aus der Familie findet, geschrieben in den Jahren 1933 bis 1945? Und wenn man dann feststellt, feststellen muss, dass Eltern und Verwandte zeitweise, manche bis zum bitteren Ende überzeugte, ja glühende Nazi-Anhänger waren?

Wie mag das sein, wenn man tiefer eindringt in die Geschichte der evangelischen Kirche im Nationalsozialismus und feststellt, dass die „Bekennende Kirche“ keineswegs die evangelische Widerstandsbewegung war, als die sie gerne dargestellt wird. Ein Gegenpol zu den nazitreuen „Deutschen Christen“ - ja, aber in kritischem Widerstand gegen das Regime? Beide Glaubensgemeinschaften erkannten den Nationalsozialismus nicht nur als staatliche Obrigkeit an, sie identifizierten sich weitgehend positiv mit dem NS.

Es ist uns heute noch peinlich, dass elf evangelische Landeskirchen, darunter auch Thüringen und Sachsen, 1939 maßgeblich beteiligt waren an der Einrichtung des „Entjudungsinstituts“ in Eisenach, dem berüchtigten „Institut zur Erforschung und Beseitigung des jüdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben“. Und dass dessen langjähriger akademischer Direktor Walter Grundmann, ein Pfarrer und frühes Mitglied der NSDAP, auch nach 1945 wieder Karriere machen konnte in der evangelischen Kirche?

Joachim Krause, Naturwissenschaftler, Theologe und Buchautor,  hat sich mit all diesen Fragen - auch in seiner eigenen Familiengeschichte - beschäftigt. So war er ein kenntnisreicher Referent beim „Politischen Nachtgebet“ in unserer Kirche am 9. Juli. „Im Glauben an Gott und Hitler“ heißt eines seiner Bücher, in dem er die Geschichte der „Deutschen Christen“ beschreibt. Und der Titel zeigt auch in gewisser Weise das ganze Dilemma. Denn: Für die meisten Deutschen war das kein Widerspruch.

Das Thema sei „etwas Dunkles, über das man nicht gerne redet“, stellte Krause bei vielen Recherchen zu Kirche und Nationalsozialismus fest. Er stieß auf „eine Wand des Schweigens“. Eine Aufarbeitung, eine Auseinandersetzung mit der Verstrickung von Christen in den Nationalsozialismus werde „nur ansatzweise geführt“. So durfte nach dem Krieg die Kirche eine Entnazifizierung nach ihren Regeln und selbsttätig durchführen. Auch belastete Pfarrer wurden oft nur versetzt oder durften nach der Entlassung bald wieder arbeiten.

Joachim Krause wagte einen oft beklemmenden, stets kritischen Blick auf das Verhalten der Kirche in jener Zeit. Der fand durchaus Widerspruch im sachkundigen Publikum, gerade auch, was die Bewertung der Rolle der „Bekennenden Kirche“ anging. Insgesamt schlug der Referent aber einen  weiten Bogen. Vom Antisemitismus schon in Schriften Martin Luthers bis heute, etwa dem Umgang mit dem ehemaligen Landesbischof Carsten Rentzing und umstrittenen Artikeln aus seiner Jugend, der ihn schließlich zum Rücktritt veranlasste. Was unterscheidet einen wertkonservativen Christen vom Rechtsextremismus?

Durch den Abend zog sich die Frage nach Schuld und Verantwortung, auch die Erkenntnis, dass gerade die Kirche als moralische Instanz sich Fragen zu ihrer Haltung in besonderem Maße stellen muss. Krause: „Das ist ein schmerzliches Nach-Denken über eine Zeit, die uns nicht loslässt.“ Sie mag lange her sein, sie ist trotzdem aktuell. Und führt unweigerlich zu der Forderung, ob und wie sich die Kirche politisch einmischen soll.

Es sei ein Abend gewesen, „der unter die Haut ging“, resümierte Pfarrer Gabriel Beyer. Der Umgang mit Christen, die aus späterer Sicht schuldig geworden seien, sei schwierig. „Als guter Christ will man gnädig sein“, doch in schlimmen Fällen werde Gnade durchaus als Unrecht gebrandmarkt. „Es ist viel falsch gelaufen, auch in unserer Kirche. Wir können uns dafür schämen und trauern, aber jetzt anklagend mit dem Finger zu zeigen, steht uns nicht an.“

Das Fazit zog am Ende unser Gemeindemitglied Klaus Gaber, der die Vortragsreihe ins Leben gerufen hat und organisiert: „Man kann nicht die Augen zudrücken. Man muss hinschauen und dazulernen. Ich kann  nur sagen: Wehret den Anfängen! Und auch darum machen wir das „Politische Nachtgebet“. Weil wir wollen, dass so etwas nicht wieder passiert.“

Bernd Hempelmann

 

Politisches Nachtgebet

12.07.2021
Am 17. September um 19.30 Uhr findet das nächste Politische Nachtgebet in der Kirche
Weißer Hirsch statt. Zum Thema: „Der ferne Nächste – Hilfe kommt an“ wird uns Stefan
Mertenskötter, der Vorstandsvorsitzende von „arche noVa- Initiative für Menschen in Not
e.V.“, über die Arbeit dieser Dresdner Hilfsorganisation berichten. arche noVa entstand in
den frühen 90er Jahren aus der Initiative einiger engagierter Dresdner , die mit alten
Armeelastern Hilfe in den Irak brachten. Heute leistet diese Organisation humanitärer
Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit in 14 Ländern, vor allem in Afrika und Asien.
Gleichzeitig blieb sie regional verwurzelt Mit Aufklärungs- und Bildungsarbeit an Schulen
sensibilisiert sie zudem junge Menschen für gerechtes und verantwortungsbewusstes
Verhalten in der globalisierten Welt.

Pilgerweg der Versöhnung

17.04.2021

Pilgern in Dresden? - Der Weg ist das Ziel!

Die fünf Dresdner Nagelkreuzzentren wollen sich durch einen „Pilgerweg der Versöhnung“ miteinander verbinden. Ab 9. Mai soll seine erste Etappe von der Hosterwitzer Kirche »Maria am Wasser« zur Dresdner Diakonissenhauskirche führen. Weitere Etappen werden die Frauenkirche, die Kreuzkirche und den Denkraum Sophienkirche-Busmannkapelle einbinden.

Warum Pilgern? Seiner Wortherkunft nach bezieht sich der Begriff des „Pilgers“ auf den Fremdling. Der Pilgernde macht sich selbst zum Fremdling, indem er in die Ferne reist, etwa den Jakobsweg gen Santiago de Compostela beschreitet. Für den „Pilgerweg der Versöhnung“ werden Dresdner keine weite Reise antreten müssen, aber es lohnt nicht minder, ein wenig in die Rolle des Fremdlings zu schlüpfen und auf diesem Weg vielleicht ganz neue Blickwinkel zu finden.

Die Gemeinschaft der Nagelkreuzzentren hat ihren Ursprung in Coventry, das im deutschen Bombenangriff des November 1940 schwer zerstört wurde. Es war alles andere als selbstverständlich, dass der damalige Dompropst von Coventry, Richard Howard, bereits im selben Jahr zu Weihnachten in einer Rundfunkübertragung aus der zerbombten St. Michaels Cathedral dazu aufrief, keine Rache zu üben, sondern nach dem Ende des Kriegs gemeinsam an einer freundlicheren Welt zu arbeiten. Aus drei bei den Aufräumarbeiten geborgenen, großen Zimmermannsnägeln aus dem Dachstuhl der zerstörten Kathedrale bildete Pfarrer Arthur Wales ein Kreuz. Dieses „Nagel-Kreuz“ wurde zum Symbol der Nagelkreuzgemeinschaft, die sich der Arbeit für Versöhnung, Vergebung und Frieden verpflichtet hat.

Der Dresdner „Pilgerweg der Versöhnung“ ist eine Einladung, das Wirken der weltweiten Nagelkreuzgemeinschaft in den Blick zu nehmen. Vor allem aber soll er Anregung und Gelegenheit sein, eine gute Wegstrecke lang über das große Thema Versöhnung nachzudenken.

Sie sind herzlich eingeladen, sich mit Ihren eigenen Gedanken zu diesem wichtigen und aktuellen Thema auf die erste Etappe des Pilgerweges der Versöhnung zu begeben. Am 9. Mai wird nach dem 10-Uhr-Gottesdienst in der »Maria am Wasser« in Hosterwitz dieser Weg eröffnet, und es besteht Gelegenheit, ihn erstmals gemeinsam zu begehen und miteinander bis zur Diakonissenhauskirche zu pilgern.

Kalender 2021 zu Gunsten des Friedhofs

24.11.2020

Auch in diesem Jahr haben Sie die Möglichkeit, mit dem Erwerb eines Kalenders notwendige Baumaßnahmen auf dem Waldfriedhof zu unterstützen und gleichzeitig ein schönes Weihnachtsgeschenk für sich oder andere zu erwerben. Dabei haben Sie die Auswahl zwischen
zwei verschiedenen Kalendern:

„Architektur in Deutschland“ und „Faszination Elbsandsteingebirge“

Das Augenmerk meines Mannes, der wieder liebevoll die Bilder fotografiert hat, liegt auf diversen Panoramatechniken; es werden viele  fortlaufende Teilbilder zu einem Panoramabild zusammengefügt. Die Kalender können ab November in der Kanzlei und bei den Mitarbeitern des Friedhofs für jeweils 12 € erworben werden.

Beate Pal

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